
Ausgabe
04/2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zur vierten Ausgabe von „SELFi“, unserem landesweiten Newsletter zur Selbsthilfe in Rheinland-Pfalz.
In dieser Ausgabe berichtet Christoph Streitenberger über seine Erkrankung an einer Depression, was ihm geholfen hat und warum er heute andere Betroffene unterstützt. Zudem beantwortet Jutta Hundertmark-Mayser, Geschäftsführerin der NAKOS, fünf Fragen rund um das Thema Selbsthilfe. Außerdem informieren wir Sie über aktuelle Veranstaltungen sowie über neue Selbsthilfegruppen in Rheinland-Pfalz, die noch Mitglieder suchen. „SELFi“ erscheint viermal jährlich. Wir danken der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse für die Unterstützung dieses Projekts.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen – und einen guten Start ins neue Jahr 2026.
Herzliche Grüße

Andreas Schleimer
Sprecher der
Selbsthilfe Rheinland-Pfalz

Elfi-Gül Hollweck
Co-Sprecherin der
Selbsthilfe Rheinland-Pfalz

SELFi Porträt von Christoph Streitenberger. Foto: privat
Depression: Von der Sehnsucht weinen
zu können
Von innerer Leere zur Selbsthilfe: Wie Christoph Streitenberger durch eine besondere Campingtour seine Depression überwand und nun anderen Betroffenen hilft. Erfahren Sie, wie er mit einer Selbsthilfegruppe jungen Menschen Mut macht, offen über ihre Erkrankung zu sprechen.
Christoph erinnert sich an einen Moment seiner Kindheit und Jugend: Eine Träne rollte über seine Wange, als er als Junge erfuhr, dass sein Vater sich das Leben genommen hatte. Doch dann tat er, was er früh gelernt hatte: Er blieb stark. Gefühle zu zeigen so erinnert er sich, war für ihn gefährlich. Das fragile Kartenhaus seiner kindlichen Überlebensstrategien hätte zusammenbrechen können.
Denn schon vor dem Tod seines Vaters war sein Leben nicht einfach. Als er vier Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. „Von da an war ich der Mann im Haus“, erinnert er sich. Mit vier. Er sagt, er habe seine Gefühle weggesperrt. Die Menschen um ihn herum brauchten ihn. Seine Schwester litt an einer Essstörung, seine Mutter war rheumakrank.
Fachleute sprechen von Parentifizierung, wenn Kinder Aufgaben und Rollen übernehmen, die eigentlich Erwachsenen vorbehalten sind.
Christoph wuchs heran, doch seine Geschichte lastete schwer auf ihm. Er sagt, er habe das Gefühl gehabt, da sei ein großer Ozean an Tränen, zu dem er keinen Zugang habe.
Er kompensierte seine innere Leere, wie er das Gefühl in sich nennt, mit Leistungssport und phasenweise mit Partys. „Ich rannte von meinen Seelenqualen einfach davon.“ Pfeiffersches Drüsenfieber zwang ihn dazu mit dem Laufen aufzuhören. Er fand zu Jesus und flüchtete sich in einen tiefen Glauben. „Jetzt betrieb ich geistlichen Leistungssport, um vor meinen Gefühlen zu fliehen.“ Mit 22 ließ er sich in einer Klinik durchchecken und erhielt die Diagnose Depression sowie Medikamente. Eine Diagnose, die er aus seiner Familie kannte: Sein Vater hatte sie bekommen, einige Onkel. Christoph machte Psychotherapien, doch die Wende kam durch eine besondere Erfahrung im Wald. Mehr dazu gleich. Christoph, mit vollem Namen Christoph Streitenberger, erklärt, dass es normal sei, hin und wieder niedergeschlagen zu sein. Doch miese Tage unterschieden sich stark von einer Depression. Er beschreibt die Depression als einen quälenden, stillen inneren Schmerz, als ein Getrenntsein von sich selbst, den anderen und seinen Gefühlen. „Ich war wie unter einer Glocke.“
Als er von seiner speziellen Erfahrung im Wald erzählt, klingt es wie ein Selbstexperiment, das glücklicherweise ein gutes Ende fand. Christoph fuhr in die Natur, mutterseelenallein, abgekoppelt von der Welt – nur er, das Grün ringsherum, Vogelgezwitscher. Drei Wochen lang schottete er sich von den Reizen, die ihn Tag für Tag umgeben, ab. Das Smartphone nutzte er nur abends für den Wetterbericht und um seiner Frau ein Herz zu schicken. 14 Tage lang aß er nichts – und plötzlich weinte er hemmungslos, der tiefe Schmerz brach aus ihm heraus. Er erinnert sich: „Es war so neu für mich.“
Christoph ließ seinen Schutzpanzer, den er seit seinem vierten Lebensjahr um sich hatte, im Wald zurück. Er sagt, heute stehe ich morgens auf und fühle mich meist verbunden, mit der Natur, den Menschen, und mit mir selbst. Erst jetzt spüre er, wie echtes Leben ohne Krankheit sich anfühle.
Weil eine Sache ihm schon lange am Herzen lag, wandte Christoph sich an die KISS Pfalz, die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe in Edesheim, in der Pfalz. Er wollte eine Selbsthilfegruppe für junge Menschen von 18 bis 35 Jahren gründen. Die Mitarbeitenden der KISS Pfalz unterstützen ihn bei seinem Vorhaben. Er wollte Menschen ermutigen, die an Depressionen leiden, mit anderen Betroffenen über ihre Erkrankung zu sprechen.
Seit September dieses Jahres trifft sich die Selbsthilfegruppe jeden ersten Dienstag im Monat eineinhalb Stunden in Speyer. Christoph sagt über die Treffen: „Es ist so gut einen Raum für ehrlichen Austausch zu haben.“ Er betont, wie wichtig es sei, dass Betroffene einen geschützten Raum haben, in dem sie verstanden werden. Betroffene verstünden Betroffene anders als Nichtbetroffene. Ziel sei es, mit dem Erleben nicht allein dazustehen, sondern sich gegenseitig zu unterstützen, weiterzugehen.
Christoph Streitenberger ist heute 35 Jahre alt. Mit seiner Frau und einer Tochter im Kitaalter lebt er in einem Dorf in der Pfalz. Aufgewachsen ist er in Fürth. Zunächst lernte er Bankkaufmann, dann studierte er Theologie und machte verschiedene Coachingweiterbildungen. Es sei ihm wichtig, sagt er, Dinge zu tun, bei denen er in seinem Element sei, mit Herz. Heute arbeitet er als Pastor im evangelischen freikirchlichen Bereich und als Lifecoach. Auch die Selbsthilfegruppe für junge Menschen mit Depressionen liegt ihm besonders am Herzen. Christoph ist es wichtig, öffentlich über seine Krankheit zu sprechen, damit mehr Menschen den Mut finden, sich Hilfe zu suchen und sich mit anderen auszutauschen. Übrigens: Christoph ist in dem Film „Expedition Depression“ zu sehen. Gemeinsam mit vier anderen Betroffenen ist er in dem Roadmovie quer durch Deutschland unterwegs - auf den Spuren ihrer Depression.
Wenn Du Fragen zur Gruppe hast oder teilnehmen möchtest, melde Dich gerne per E-Mail. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist kein Ersatz für eine Therapie. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppentreffen ist kostenfrei und vertraulich.
Glauben Sie, an Depressionen zu leiden oder haben Suizidgedanken? Holen Sie sich Hilfe.




Krankenkassen fördern die Selbsthilfe
Die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände fördern die gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland. Fördermittel beantragen - wir zeigen wie. Im Januar und Februar lädt die SEKIS zu mehreren Fördermittelschulungen ein.
Weitere Infos zur Förderung finden Sie hier:
News aus der Selbsthilfe
Alle Termine und finden Sie hier:


5
Jutta Hundertmark-Mayser, Geschäftsführerin der NAKOS. Foto: Kathleen Friedrich
Fünf Fragen an…
jUTTA HUNDERTMARK-MAYSER
Fünf Fragen an Jutta Hundertmark-Mayser, Geschäftsführerin der NAKOS
1. Sie sind Geschäftsführerin der NAKOS. Für Menschen, die noch nie von Selbsthilfe gehört haben. Was steckt hinter der NAKOS?
Die NAKOS, Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe, wurde 1984 in Berlin gegründet. Sie ist die bundesweite Adresse, wenn Menschen nach einer passenden Selbsthilfegruppe suchen oder sich grundlegend informieren möchten. Sie versteht sich als Knotenpunkt im Netzwerk der Selbsthilfe: Sie sammelt Wissen, stellt es verständlich zur Verfügung und bringt Betroffene, Angehörige, Fachkräfte, Politik und Öffentlichkeit miteinander ins Gespräch. Gleichzeitig beobachtet die NAKOS Entwicklungen in der Selbsthilfelandschaft, erprobt neue Konzepte – etwa zu Digitalisierung oder Zugängen benachteiligter Zielgruppen – und setzt sich dafür ein, dass Selbsthilfe als feste Säule im Gesundheits- und Sozialsystem anerkannt und gefördert wird.
Die NAKOS betreibt eine zentrale Selbsthilfe-Datenbank, in der bundesweite Selbsthilfeorganisationen, regionale und landesweite Selbsthilfekontaktstellen und lokale Gruppen zu gesundheitlichen, psychischen und sozialen Themen erfasst sind; über diese Verzeichnisse können Ratsuchende gezielt nach Themen, Orten und Formaten suchen. Für Menschen, die noch nie von Selbsthilfe gehört haben, bedeutet das: Es gibt eine Stelle, die hilft, die „richtige Tür“ zu finden – sei es zur ersten Orientierung, zur Vermittlung in eine Gruppe oder für Informationen, wie man selbst eine Gruppe gründen kann.
2. Welche Themen und Krankheitsbilder haben derzeit den stärksten Zulauf – und warum?
In den letzten Jahren zeigt sich ein deutlich wachsender Zulauf zu Selbsthilfegruppen rund um psychische Gesundheit, etwa zu Angststörungen, Depressionen, Belastungs- und Erschöpfungssyndromen, Essstörungen oder Suchterkrankungen. Verstärkt nachgefragt werden auch Gruppen zu Long- und Post-COVID, chronischen Schmerzen, Fatigue-Syndromen sowie zu Demenz und pflegenden Angehörigen, weil hier oft ein hoher Informations- und Entlastungsbedarf besteht und Betroffene im regulären Versorgungssystem an Grenzen stoßen.
Auffällig ist, dass immer mehr Menschen auch bei komplexen sozialen Themen wie Einsamkeit, Armutserfahrungen, queeren Lebensrealitäten oder Rassismuserfahrungen Selbsthilfegruppen suchen: Hier geht es weniger um die klassischen Krankheiten, sondern um Lebenssituationen, in denen Betroffene sich gegenseitig stärken, Strategien teilen und gesellschaftliche Teilhabe organisieren.
Mehrere gesellschaftliche Faktoren wirken zusammen: Die Corona-Pandemie hat viele Menschen stark belastet, psychische Krisen sichtbarer gemacht und gezeigt, wie wichtig soziale Verbundenheit ist. Digitalisierte Arbeits- und Lebenswelten sorgen auf der einen Seite für bessere Informationsmöglichkeiten, auf der anderen Seite aber auch für Vereinsamung, Unsicherheit und das Gefühl, mit Problemen allein zu sein. Hinzu kommen langfristige Entwicklungen wie der demografische Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen und pflegebedürftiger Menschen sowie soziale Spaltungen, die besonders verletzliche Gruppen treffen. All das erhöht den Bedarf an niedrigschwelliger, solidarischer Unterstützung, wie sie Selbsthilfegruppen bieten. In der Selbsthilfe teilen Menschen Erfahrungen, die im Alltag, in der Familie oder in der medizinischen Behandlung oft keinen Raum finden.
3. Welche aktuellen Entwicklungen sind besonders herausfordernd?
Eine zentrale Herausforderung ist der demografische Wandel in der Selbsthilfe: In vielen etablierten Gruppen und auch in den Selbsthilfekontaktstellen engagieren sich Menschen, die selbst älter sind, während es oft schwer ist, jüngere Menschen langfristig für kontinuierliches Engagement zu gewinnen. Das führt mancherorts zu einem Spannungsfeld: Es gibt einen wachsenden Bedarf an Gruppen, gleichzeitig müssen bestehende Gruppen ums Weitertragen ringen, weil Moderation, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit nicht automatisch von der nächsten Generation übernommen werden. Hinzu kommt, dass die Unterstützungsarbeit in Selbsthilfekontaktstellen oft auf knappen zeitlichen und finanziellen Ressourcen beruht, obwohl die Anforderungen durch Beratung, Vernetzung, Projektarbeit und Qualitätssicherung steigen.
Die zunehmende Professionalisierung der Selbsthilfe und ihre stärkere Einbindung in das medizinische Versorgungssystem ist eine Chance – aber eben auch eine deutliche Herausforderung für ihre ursprüngliche Idee und Arbeitsweise. Wo Selbsthilfe stärker mitgeplant und in Versorgungsstrukturen eingebunden wird, steigt der Druck, sich an Logiken von Effizienz, Steuerung und Nachweisbarkeit anzupassen – und genau das kann in Spannung zu Freiwilligkeit, Offenheit und Betroffenenorientierung geraten.
Mit der engeren Kooperation von Selbsthilfe, Kliniken, Praxen und Kostenträgern wächst die Gefahr, dass Selbsthilfegruppen vor allem als Baustein in Versorgungsnetzen gesehen werden, etwa zur Entlastung ambulanter und stationärer Angebote. Wenn Selbsthilfe zu stark als verlängerter Arm von Versorgungspolitik verstanden wird, droht eine Funktionalisierung: Gruppen sollen Versorgungslücken schließen oder Versorgungsziele unterstützen, statt in erster Linie den Bedürfnissen der Betroffenen verpflichtet zu sein. Die Herausforderung besteht darin, die besondere Qualität der Selbsthilfe – informell, freiwillig, selbstbestimmt – zu bewahren und gleichzeitig verlässliche Kooperationsformen zu entwickeln
Grundlegend bleibt: Selbsthilfe ist eine eigenständige Hilfeform und soll das professionelle System ergänzen, nicht ersetzen. Die Einbindung in das Versorgungssystem erfordert daher klare Absprachen über Rollen und Grenzen: Was kann eine Selbsthilfegruppe leisten – und was nicht? Wo braucht es professionelle Angebote, Therapie oder Beratung, und wo ist Selbsthilfe mit ihrer kollektiven Kompetenz die richtige Unterstützung? Als Herausforderung stellt sich damit die dauerhafte Balance: genug Nähe zum Versorgungssystem, um wirksam mitzuwirken und anerkannt zu sein – und zugleich genügend Distanz, um unabhängig, parteilich für Betroffene und selbstbestimmt zu bleiben
4. Welche Rolle werden Selbsthilfegruppen in der Digitalisierung spielen?
Eine wichtige Aufgabe wird sein, Zugänge zu erleichtern: Digitale Angebote können die erste, niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit sein, etwa über Webseiten, Mail, Messenger oder Online-Sprechstunden, bevor jemand den Schritt in ein Treffen in Präsenz geht. Menschen, die mobil eingeschränkt sind, in ländlichen Regionen leben oder sich (noch) nicht zeigen möchten, können über digitale Gruppen überhaupt erst Teil einer Gemeinschaft werden.
Selbsthilfegruppen werden dafür sorgen, dass persönliche Begegnung und digitale Möglichkeiten klug miteinander verknüpft werden. Sie werden Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher austauschen können – vor Ort, per Video, Chat oder in geschützten Online-Communities. Datenschutz und Qualitätsstandards bleiben dabei entscheidend für Vertrauen und Wirksamkeit.
5. Welche Vorstellungen über Selbsthilfegruppen würden Sie gerne korrigieren?
Das Bild vom „komischen Stuhlkreis“ greift zu kurz und lässt Selbsthilfe schwer, starr oder weltfremd erscheinen. Moderne Selbsthilfegruppen sind vielfältig: Neben klassischen Gesprächskreisen gibt es Gruppen, die beim Spazierengehen, bei kreativen oder sportlichen Aktivitäten zusammenkommen oder sich in Cafés, Nachbarschaftszentren oder online treffen. Manche Gruppen arbeiten strukturiert mit Themenrunden, Informationsabenden oder Fachleuten, andere setzen auf offenen Austausch und praktische Unterstützung im Alltag. Gemeinsam ist ihnen, dass niemand von oben bestimmt, was richtig ist; die Betroffenen gestalten selbst. Selbsthilfe bedeutet nicht nur, über Probleme zu reden, sondern auch, sie gemeinsam zu lösen, voneinander zu lernen und sich zu ermutigen, neue Schritte zu wagen.
Ein weiteres Missverständnis ist, dass Selbsthilfegruppen nur der letzte Ausweg sind, wenn sonst nichts mehr hilft. Tatsächlich können sie in jeder Phase einer Erkrankung oder Belastung hilfreich sein. Sie ergänzen medizinische Behandlungen, Psychotherapie oder soziale Beratung. Besonders Menschen, die zum ersten Mal mit einer Diagnose oder den Folgen einer schweren Erkrankung konfrontiert sind, erleben es als entlastend, mit anderen zu sprechen, die diesen Weg schon ein Stück gegangen sind und praktische Erfahrungen teilen.
Korrigiert werden sollte auch die Vorstellung, dass Selbsthilfegruppen ausschließlich Probleme fokussieren. In vielen Gruppen geht es ausdrücklich um Ressourcen, Selbstbestimmung und die Entwicklung neuer, tragfähiger Lebensperspektiven. Menschen, die gemeinschaftliche Selbsthilfe erleben, berichten oft, dass sie von passivem Betroffensein zu aktivem Beteiligtsein wechseln. Aus ihren Erfahrungen kann sogar gesellschaftliches Engagement entstehen, etwa durch Aufklärung, politische Interessenvertretung oder Projektarbeit.

Kaffeetasse mit Zwinker-Smiley mit Spruch "Mach mal Pause". Foto: SEKIS Trier
Fit-Tipp
Pause machen!
Warum der Jahreswechsel der perfekte Moment dafür ist
Geht es Ihnen auch so? Das Jahr ist vorbeigerauscht – und plötzlich steht wieder Silvester vor der Tür. Das Jahr 2026 klopft laut an.
Gerade jetzt, kurz vor Neujahr, passiert etwas Magisches: Die Welt wird langsamer. Viele Menschen haben frei, die Städte sind stiller, der Alltag entschleunigt. Wenn um uns herum das Tempo nachlässt, fühlt es sich so an, als hätte die ganze Welt den Schnell-schnell-Modus ausgeschaltet.
Eine ideale Zeit, um mal auszuschlafen, das Handy mal beiseitezulegen, und einfach nichts zu tun.
Was wir oft als vergeudete Zeit empfinden, wenn wir uns im Alltagskarussell drehen, ist in Wahrheit sehr wertvoll. Neurowissenschaftler betonen: Pausen stärken das Gehirn. Kurz gesagt: Pause ist gleich Power.
Vielleicht nehmen Sie sich für das neue Jahr einen guten Vorsatz vor: Mehr Pausen zu machen. Nicht erst dann, wenn die Welt um einen herum langsamer wird – sondern jeden Tag.

Notbox für die Psyche
Wo finde ich in einer Krise Hilfe?
Hier finden Sie Notrufnummern und Notrufadressen:
Das PsychNavi Rheinland-Pfalz führt Sie durch Hilfsangebote in Krisensituationen:

Schon gewusst?
Gesundheitskompetenz in Deutschland:
Viele verstehen nicht, um was es geht
Wer heute in Deutschland krank wird, steht oft vor einem Dschungel aus Fachbegriffen, Formularen und Informationen. Und erschreckend viele finden den Weg dort nicht heraus: Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 besitzt mehr als die Hälfte der Bevölkerung – rund 54 Prozent –nur eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Also die Fähigkeit, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, kritisch zu bewerten und für das eigene Wohlbefinden zu nutzen. Nach der Pandemie hat sich die Situation sogar noch verschlechtert: Forscher fanden heraus, dass 60 Prozent ihre Gesundheitskompetenz nur als eingeschränkt oder unzureichend wahrnehmen.
Besonders hart trifft es jene, die es ohnehin schwer haben: ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit geringer Bildung sowie viele mit Migrationshintergrund. Sie kämpfen sich durch Arztbriefe, Beipackzettel und Therapieentscheidungen – oft ohne wirklich zu verstehen, um was es geht. Das Ergebnis: Unsicherheit, falsche Entscheidungen, zu spät zum Arzt. Und manchmal sogar unnötiges Leid.
Doch das Problem betrifft nicht nur die Betroffenen. Die WHO schätzt, dass drei bis fünf Prozent aller Gesundheitskosten auf unzureichende Gesundheitskompetenz zurückgehen. Für Deutschland bedeutet das eine Summe von 9 bis 15 Milliarden Euro jährlich.
Das Selbsthilfeprinzip beruht auf dem Austausch und der gegenseitigen Unterstützung Gleichbetroffener im Umgang mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Alle Fähigkeiten, die mit der Anwendung von Gesundheitskompetenz verbunden sind, kommen auch in diesem Prozess zum Tragen, da sich die Gleichbetroffenen seit jeher beim Finden, Verstehen und Bewerten von Gesundheitsinformationen in der Selbsthilfe gegenseitig unterstützen.
Die Anwendung gesundheitsbezogenen Wissens auf das Alltagsleben ist ein Kompetenzfeld, das im Austausch in der Selbsthilfe schon immer einen ganz besonderen Stellenwert hat. Hinzu kommt, dass Selbsthilfeorganisationen selbst Gesundheitsinformationen erstellen und damit auch insoweit ein Potenzial zur Stärkung der Gesundheitskompetenz haben.
Die Stärkung von Gesundheitskompetenz ist daher seit jeher ein wichtiges Aufgabenfeld der Selbsthilfearbeit.
Eine Möglichkeit mehr Gesundheitskompetenz zu erwerben, kommt Mitten aus der Zivilgesellschaft: die Selbsthilfe. Dort unterstützen sich Menschen mit ähnlichen Erkrankungen gegenseitig, stehen sich bei, erklären einander medizinische Informationen, und machen sich Mut.
Selbsthilfegruppen stärken die Gesundheitskompetenz: Sie vermitteln Wissen, schaffen Verständnis und zeigen, wie man dieses Wissen im Alltag auch wirklich nutzt. Viele Organisationen sowie die Selbsthilfe Rheinland-Pfalz erstellen sogar eigene Gesundheitsinformationen – verständlich und lebensnah.
Die Stärkung von Gesundheitskompetenz ist ein wichtiges Aufgabenfeld der Selbsthilfearbeit.


Neustarter Gruppengründungen
Selbsthilfe lebt von Menschen, die den Mut haben, eigene Gruppen zu gründen. Kontaktstellen unterstützen dabei. Diese Gruppen in Rheinland-Pfalz haben sich neu gegründet und suchen Betroffene.

Bereich WeKISS
Selbsthilfegruppe Fibromyalgie
Linz
Selbsthilfegruppe Seelenkompass Einsamkeit
und Depressionen
Kaltenengers
Selbsthilfegruppe Seelensprünge –
Für Menschen mit Bipolarer Erkrankung
und Angehörige
Westerburg
Selbsthilfegruppe Long Covid Selbsthilfe
Koblenz
GA – Anonyme Spieler
Koblenz
Selbsthilfegruppe Lipödem
Westerwald
Selbsthilfegruppe Endometriose
Westerwald
Al-Anon Familiengruppen
Montabaur

Bereich sekis
Neues Opfernetzwerk: Veruntreutes Vertrauen
online
CLEAN´n´Clear
Für Menschen mit Suchtproblemen
Eifelkreis
Alkoholabhängigkeit – Selbsthilfegruppe „Hope“
Für Betroffene
Bitburg
Selbsthilfegruppe Stottern
Prüm
VAlpha-1-Antitrypsin-Mangel – Für Menschen mit seltener genetischer Stoffwechselerkrankung, die vor allem Lunge und Leber betrifft
Trier
Multiple Sklerose – Neubetroffenen-Gruppe
Trier
Schwangerschaftsabbruch – und dann?
Trier
ADHS und Sucht
Trier
Die Flummis
Für Kinder im Grundschulalter mit ADHS gemeinsam mit ihren Eltern
Trier
ADHS bei Erwachsenen
Birkenfeld
Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit ADHS/Autismus
Neuerburg
Selbsthilfegruppe Osteoporose
Schweich

bereich kiss mainz
Gesprächsgruppe für Sektenausstieg „Freiwärts“
Mainz
Selbsthilfe gegen Stress – Gemeinsam
gegen Stress
Digitales Angebot
Autismus-leben.de – Selbsthilfegruppe Autismus
Für die Region Kaiserslautern, Pfälzer Wald, Südwestpfalz
Gemeinsam heilen! Gemeinsam sind wir stark!
Selbsthilfegruppe Depression
Ingelheim
Eigenintervention Depression (ESD)
Ergänzungsangebot zur Selbsthilfegruppe Depression
Alzey
Selbsthilfegruppe „Ovarialkarzinom/Eierstockkrebs“
Mainz
Depression - „Akzeptanz im sicheren Raum - Du bist nicht allein!“
Mainz


Kurz und einfach erklärt:
Koronare Herzerkrankung
Das Herz wird von vielen eigenen Blutgefäßen versorgt. Diese Blutgefäße nennt man Herzgefäße oder Koronararterien. Bei einer Koronaren Herzerkrankung – kurz KHK – sind diese Herzkranzgefäße oft verengt. Dadurch bekommt der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff. Das ist eine chronische Erkrankung.
Der medizinische Fachbegriff für die Verengung in den Blutgefäßen ist Arteriosklerose.
Wenn das Herz wegen der Verengung zu wenig Sauerstoff bekommt, dann können Beschwerden auftreten. Je nachdem wie stark der Sauerstoffmangel ist, kann das Herz dadurch einen Schaden bekommen.
Diese Erkrankung sollte man sehr ernst nehmen. Aber mit der richtigen Behandlung kann man fast so leben, wie gesunde Menschen.
Hier in Deutschland ist die KHK sehr häufig. Männer sind öfter von der KHK betroffen als Frauen. Ungefähr 10 Prozent aller Männer und 7 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer KHK.
(Aus: Broschüre in Einfacher Sprache – Koronare Herzerkrankungen verstehen)

Beschreibung: Interviews zu seltenen Erkrankungen mit Medienpädagoge Niklas Mitterle. Fotos: Niklas Mitterle
Wir und die Medien
#GarNichtMalSoSelten
Emotionale Interviews zu Seltenen Erkrankungen
Menschen, die sonst kaum Gehör finden, treten vors Mikrofon und die Kamera. Die Inter-views entstehen im Rahmen der Initiative „Medienkompetenz in der Selbsthilfe Rheinland-Pfalz erhöhen“.
Hier sprechen Betroffene offen über ihren Alltag, ihren Kampf um Sichtbarkeit und über die Kraft der Selbsthilfe. Viele nutzen die Chance, endlich zu zeigen: Wir sind nicht wenige.
Denn Seltene Erkrankungen sind entgegen dem, was der Name vermuten lässt #GarNichtMalSoSelten.
Wer diese bewegenden Interviews sehen will, findet sie auf folgenden Social-Media-Kanälen:

Das war...

INFORMATIV
„Selbsthilfe im Dialog 2025“ in Koblenz und Saarbrücken
Mit mehreren hundert Gästen und zahlreichen positiven Rückmeldungen fand die Veranstaltungsreihe „Selbsthilfe im Dialog 2025“ im Oktober und November in Koblenz und Saarbrücken statt – unter dem Motto: „Generationen im Dialog – Gemeinsam unschlagbar“.
Udo Hoffmann, Beauftragter des Vorstandes der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse, hob in seinen Grußworten die Selbsthilfe als vierte Säule des Gesundheitswesens hervor und dankte den Anwesenden.
In Koblenz dankte Staatssekretärin Nicole Steingaß allen Selbsthilfeaktiven für ihr großes Engagement und bekräftigte: „Die Selbsthilfe schafft Raum für Austausch mit anderen Betroffenen, stärkt die Selbstwirksamkeit und vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie lebt von Vielfalt, unterschiedlichen Perspektiven und von Lebenserfahrung. “ Stellvertretend für Staatssekretärin Bettina Altesleben sprach Martin Kerz, Abteilungsleiter im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit Saarbrücken, seine Wertschätzung für das enorme Engagement aus.
Regine Schuster, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland, und ihr Nachfolger im Amt, Ralph Stappen, zeigten sich tief beeindruckt vom persönlichen Einsatz der Ehrenamtlichen.
Michael Hamm, Landesgeschäftsführer des Paritätischen LV Rheinland-Pfalz/Saarland, bedankte sich für die langjährige und großartige Zusammenarbeit mit der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, lobte die Zusammenarbeit mit den Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfe und den außerordentlichen Zusammenhalt in der Selbsthilfe.
Professorin Dr. Jutta Rump nahm die Teilnehmenden in ihrem Impulsvortrag mit auf eine inspirierende Reise durch die Perspektiven der Generationen – bezugnehmend auf verschiedene Altersgruppen und Prägungen. An die Teilnehmenden gerichtet, beendete sie ihren Vortrag mit den anerkennenden Worten: „Das, was Sie tun, ist ein erheblicher Beitrag, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten. Es ist nicht nur das Miteinander – es ist vor allem das Füreinander. “
Im Anschluss nutzten Selbsthilfeaktive, Angehörige und Interessierte die Gelegenheit, sich intensiv und mit Fokus auf Entwicklung in moderierten Workshops zu ihren aktuellen Themen in der Selbsthilfearbeit auszutauschen – über alle Altersklassen hinweg.
Seit 2017 lädt die Selbsthilfekontaktstelle KISS Mainz | Der Paritätische gemeinsam mit der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse jährlich zu diesem Format ein. Es bietet Engagierten in der Selbsthilfe die Chance, sich zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und über aktuelle Herausforderungen zu sprechen.


REFLEKTIEREND
Lungenkrebstag in Koblenz
Am 22. November fand der 1. Koblenzer Lungenkrebstag in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz statt. Eingeladen hatten das Katholische Klinikum Koblenz und das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. Auch die WeKISS folgte der Einladung und informierte gemeinsam mit weiteren Ausstellern die Besucherinnen. Zusätzlich konnten die Teilnehmerinnen verschiedene Fachvorträge besuchen.
Kinotour „Expedition Depression“ in Altenkirchen
Am 26. November zeigte die Kreisverwaltung Altenkirchen den Film „Expedition Depression“ in ihren Räumlichkeiten. Im Anschluss boten Infostände die Möglichkeit zum Austausch. Auch hier war die WeKISS vertreten und führte viele Gespräche. Eintritt und Verpflegung waren kostenlos.

6. Rheinland-Pfälzischer Krebstag in Koblenz
Am 8. November fand unter dem Motto „Information – Begegnung – Austausch“ der 6. Rheinland-Pfälzische Krebstag in den Räumen der Debeka in Koblenz statt. Der Tag bot Interessierten die Möglichkeit, sich zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich an verschiedenen Infoständen auszutauschen. Abgerundet wurde das Programm durch eine spannende Vortragsreihe zu vielfältigen Themen. Wir konnten zahlreiche Betroffene treffen und uns darüber hinaus mit Menschen aus dem professionellen Hilfesystem vernetzen. Die Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. hatte den Tag ausgerichtet.
Tag der seelischen Gesundheit in Betzdorf
Im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit fand am 10. Oktober in Betzdorf der Tag der seelischen Gesundheit statt. Eingebettet in den Wochenmarkt konnten sich Besucher*innen in der Fußgängerzone an Ständen verschiedener Institutionen informieren. Auch die WeKISS war mit der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe und der Pflegeselbsthilfe vor Ort. Wir blicken zurück auf viele gute Gespräche bei dieser gelungenen Veranstaltung.

MUSIKALISCH
Seelische Gesundheit im Blick
Der Workshop „Sucht im Song“ untersuchte, wie Alkohol und Drogen in Liedtexten dargestellt werden und welchen Einfluss diese Botschaften auf unsere Wahrnehmung von Konsum haben. Gemeinsam wurden Songtexte analysiert, um Verharmlosung, Kritik und angesprochene Gefahren zu erkennen. Ziel war es, ein bewussteres Verständnis für diese Inhalte zu entwickeln.
Das Seminar „Zukunft ohne Angst“ richtete sich an Menschen, die unter Zukunftsängsten leiden. Es vermittelte Strategien, um mit Unsicherheiten konstruktiv umzugehen, innere Stabilität zu stärken und die eigene Zukunft trotz instabiler Zeiten zuversichtlich und selbstbestimmt zu gestalten.
Fortbildungen für Gruppenleiter*innen
Konflikte in Gruppen – Herausforderung und Chance
Konflikte gehören zum Gruppenleben dazu. Wie sie entstehen und wie sie konstruktiv bearbeitet werden können, stand im Mittelpunkt dieses Workshops für Aktive in der Selbsthilfe.
Ich sage Nein…?!
Zu viel Verantwortung übernehmen, eigene Grenzen überschreiten – kennen Sie das? Dieser Workshop lud dazu ein, das eigene Verhalten zu reflektieren und neue Wege zu mehr Selbstfürsorge zu entdecken.

VERNETZT
Gesamttreffen - Austausch & Vernetzung
Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit ähnlichen Herausforderungen die Möglichkeit, sich auszutauschen, gegenseitig zu unterstützen und Lösungen für den Alltag zu finden. Zweimal im Jahr laden die Kontaktstellen Vertreter*innen der Gruppen ein, um Erfahrungen zu teilen, aktuelle Themen zu besprechen und die Vernetzung zu stärken.
Vielen Dank fürs Lesen und bis zur nächsten Ausgabe!
Lob, Kritik, Ideen?
Wir freuen uns über Feedback und Vorschläge per E-Mail an info@selbsthilfe-rlp.de

Hinter der Selbsthilfe Rheinland-Pfalz stehen die vier Selbsthilfekontaktstellen in Rheinland-Pfalz:













